Bedeutung von Software in heutigen Organisationen
Software hat weiterhin zunehmende Bedeutung in Unternehmen aller Art. Dabei kommt Software nicht nur eine wachsende Bedeutung in Produkten und bei der Entwicklung neuer Produkte wie etwa in der Automobilbranche oder im Handel zu, sondern auch die internen betrieblichen Abläufe von der Produktion bis hin zum Vertrieb werden immer stärker von Software unterstützt. Unternehmen werden immer abhängiger von Software in ihrer Leistungserstellung, wodurch die Qualität und das reibungslose Funktionieren von Software für Unternehmen immer wichtiger werden.
Balzert (Balzert, 2001, S. 28) führt u.a. folgende für Organisationen wichtige Veränderungen auf:
- Zunehmende Bedeutung
- Wachsende Komplexität
- Zunehmende Qualitätsanforderungen
Zunehmende Bedeutung
Software ist heutzutage ein eigenständiges Wirtschaftsgut (wie die Unternehmen Microsoft oder SAP zeigen). Nach Schätzungen der BITKOM werden in Deutschland 2005 16,2 Milliarden Euro im Software-Bereich umgesetzt, dies entspricht einem Anteil am Gesamt-IT-Markt von knapp 12% (BITKOM, 2005a). Laut BITKOM sind die im Jahre 2005 wichtigsten Themen im Bereich Software Speicher-Lösungen, Datenbank-Systeme, Customer-Relationsship-Management-Systeme und Sicherheitslösungen (BITKOM, 2005b).
In Bezug auf ein Computersystem steigt der relative Wertanteil der Software an den Gesamtkosten ständig. So beträgt beispielsweise der Wertanteil der Software bei einem üblichen PC inklusive Bürosoftware (etwa Microsoft Office) ca. 50% (Balzert, 2001, S. 28).
Wachsende Komplexität
Für immer mehr und immer komplexere Aufgaben wird Software entwickelt und eingesetzt. Dies bedeutet, dass auch diese Software komplexer und umfangreicher werden muss. Unten stehende Tabelle zeigt die zunehmende Softwarekomplexität am Beispiel der zunehmenden Programmgrösse von Microsoft-Programmen:
Wachsende Komplexität von Software (Anwendungssoftware)
| Word for Mac 3.01 (1987) | 152.525 Codezeilen |
| Word for Mac 4.0 (1989) | 256.378 Codezeilen |
| Excel 3.0 (1993) | 400.000 Codezeilen |
| Excel 5.0 (1994) | 1 Mio. Codezeilen |
Wachsende Komplexität von Software (Systemsoftware)
| Windows 3.1 (1992) | 3 Mio. Codezeilen |
| Windows NT 3.5 (1993) | 5 Mio. Codezeilen |
| Windows 95 (1995) | 11 Mio. Codezeilen |
| Windows 2000 (2000) | 26 Mio. Codezeilen |
| Windows XP (2002) | 80 Mio. Codezeilen |
Wachsende Softwarekomplexität geht einher mit längerer Entwicklungszeit, höheren Ressourceneinsatz und höheren Koordinierungsaufwand (Balzert, 2001, S. 30).
Zunehmende Qualitätsanforderungen
Software wird immer mehr in Bereichen eingesetzt, wo ein Versagen nicht nur zu wirtschaftlichen Verlusten führt, sondern sich auch direkt auf die Qualität eines Produkts oder gar auf Menschenleben auswirken kann:
Erfahrungen haben gezeigt, dass für 50 Prozent der Ausfälle im industriellen Sektor Software-Fehler verantwortlich sind.
Will man Produkte für den Markt entwickeln, dann muss jede Produktentwicklung versuchen, folgende Anforderungen einzuhalten:
- Funktionstreue, d. h. die Übereinstimmung der definierten Produktanforderungen mit dem fertiggestellten Produkt.
- Qualitätstreue, d. h. die Übereinstimmung der definierten Qualitätsanforderungen mit dem fertiggestellten Produkt.
- Termintreue, d. h. die Einhaltung der im Entwicklungsplan festgelegten und dem Kunden bzw. dem Marketing zugesagten Fertigstellungstermine.
- Kostentreue, d. h. die Einhaltung des in der Wirtschaftlichkeits-Rechnung geplanten Personal- und Sachaufwandes für die Produkt-Erstellung und -Pflege.
(Balzert, 2001)
Software-Krise(n)
Beate Kuhnt und Andreas Huber (Kuhnt & Huber, 2001) beschreiben die Geschichte der Software der letzten vier Jahrzehnte als eine stete Abfolge von Krisen und ihren Bewältigungen.
Software-Krise in den 60er-Jahren:
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Einführungskrise in den 80er-Jahren:
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Projektkrise in den 90er-Jahren:
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Beschleunigungskrise um die Jahrtausendwende:
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