5.1 Globaler Zugriff auf Information

5.1.4 Permeabilität und Transparenz

Die Daten des Weltwissens waren bis vor kurzem noch durch mannigfache Schranken kanalisiert und verschlossen. So war der Zugang zu vielen Publikationen, Bildern, Zahlentabellen, akustischen Quellen, animierten Graphiken und Videos immer auch eine Frage der Autorisation (Lizenz) und der fachspezifischen Vertrautheit mit der Quellensuche. Durch den EncycloSpace ist die Zergliederung der Wissensbasen weitgehend durchlässig (permeabel) geworden. Es stehen dem Zugang zu Datenspeichern von der Formalität her keine wesentlichen Hindernisse mehr im Weg. Meist genügt für den Zugang zu FTP-Servern3 ein Standard-Passwort, auf der Benutzer-Schnittstelle des WorldWideWeb (=WWW)4 (Bild 14) ist auch dieses weitgehend überflüssig geworden. Aus Speichern, die dem Internet angeschlossen sind, können Informationen auf die persönliche Arbeitsumgebung übertragen und dort verarbeitet werden.

Es reicht nicht, nur die legale Permeabilität zu garantieren, auch die Orientierung während der Navigation muss transparent sein. Das namenlose, semi-privates Geheimnis abbildende Labyrinth gehört definitiv nicht mehr zum Ehrencodex der Wissenschaft, der Weg ist nicht das Ziel, es gibt inzwischen genug an sich schon interessante und dringliche Ziele. Durch die hypermediale Darstellung der Such- resp. Verweisstruktur von WWW-Seiten wird diese Transparenz in der Ortung der Quellen angestrebt.

Permeabilität und Transparenz haben ihrerseits für Fragen des Eigentums an geistigen Produkten unabschätzbare Konsequenzen: Forschungsberichte müssen nicht mehr die Kanäle des Reviewing durchlaufen, um publik zu werden. Es reicht, sie als elektronische Dokumente auf einen lokalen ftp-Server zu legen. Damit wird auch die Publikationsgeschwindigkeit entscheidend erhöht.

Dies hat schliesslich Konsequenzen auf den Diskurs selber: Er wird zwangsweise durch die auf dem EncycloSpace verfügbaren Dokumente beeinflusst, seien sie nun durch ein Peer-System gefiltert oder nicht. Diese Fragen der Wissenschaftssoziologie erzeugen beträchtliche Machtverschiebungen, denen sich die Scientific Community stellen muss. Es steht eine Reihe von Fragen an betreffend den Sinn von Publikationen. Insbesondere wird sich der wissenschaftliche Wert neu definieren müssen, da die Publikation einerseits als Beitrag zum globalen Dialog und andererseits als fachlicher Leistungsausweis zwei einander nicht widersprechende, komplementäre Zwecke erfüllen kann.

 

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